Morgens war die Nacht mal wieder früh um, die Fusspilger machten einen Riesenalarm, aber dank Ohrenstöpseln schlief ich bis zu meinem Wecker durch. die Rippe war übrigens wohl nur angebrochen, denn sie schmerzt schon deutlich weniger als noch vor ein paar Tagen. Es warnoch etwas dunkel, und ich weigerte mich im Dunkeln loszufahren. Also erstmal Kaffee trinken. So. Schon besser. Nun geht es los, etwas feucht war noch alles, es hatte über Nacht etwas geregnet. Es besserte sich aber schnell, und wir schafften es, auf kleinen Seitenstrassen dem dichter werdenden Pilgerstrom öfter auszuweichen. Aber nicht immer.

Die letzten Kilometer gleichten einer Völkerwanderung. Immer mehr Pilger strömten aus allen Richtungen zusammen. Wie wenn Schalke spielt. Nach einigen knackigen Anstiegen erreichten wir den Monte do Gozo, den Berg, an dem man das erste mal Santiago sehen kann.

Noch ein paar Pedalumdrehungen und ich war tatsächlich vom Kölner Dom bis zur Kathedrale von Santiago de Compostela mit dem Rad gefahren! Das war echt ein super Gefühl! Und ich war nach 23 Jahren das erste mal wieder in Santiago, nachdem ich ja hier ein halbes Jahr studiert hatte. Die Innenstadt war genauso verwirrend wie früher, aber jetzt war sie auch noch brechend voll mit Menschen! Im Winter ist hier nix los, jetzt platzten die Gassen aus allen Nähten. Trotzdem fand ich nach einigem Suchen meine alte Lieblings-Spelunke, wo man Muscheln, Meeresfruchte und Wein vom Fass geniesen kann. O Gato Negro, ein richtig geiler Laden, und er sah noch genau so aus wie vor 20 Jahren. Sogar die gleichen Kannen und Tassen für den Wein hatten sie noch. Lautbund ungemütlich, aber sensationell gutes Essen, billig und genial…

Danach och der obligatorische Besuch auf dem Praza do Obradoiro vor der Kathedrale, deren Fassade aber fast komplett eingerüstet ist. die Ironie des Schicksals, ich mache meinen Jakobsweg und die Kathedrale ist eingepackt.

Bevor die Frage kommt, ich weiss nicht warum ich o einen bescheuerten Gesichtsausdruck habe…

Jo, jetzt nur noch ein Bett finden, haha. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn es war Wochenende und Ferienzeit und alles war voll. Durch einen Tip des Touristen Büros fanden wir aber doch noch etwas, ein wenig außerhalb, aber nicht so wild wie anfangs befürchtet . und es war nicht die schlechteste Herberge, relativ sauber und geräumig.

Statistik: 68 km, 978 hm, Pilger tausende, Kathedralenansichten, na ja, eine halbe vielleicht…

Ankunft mit zwei Tagen Reserve zum Schauen, trödeln, blog schreiben, Rückfahrt organisieren, und so weiter. Das ist doch super! Bitte um kleinen oder größeren Applaus! Ich schreib noch eine oder zwei Zusammenfassungen und über die letzten Tage hier schreibe ich auch noch, also dran bleiben!