Ein wenig Organisation, ein wenig Sightseeing und der blöde letzte Tag

Heute morgen konnte ich etwas langsamer tun, denn ich musste erst um 10 aus dsem Hostal raus. Hier in Santiago ist man ja am Ziel und auch die Hospitaleros sind entspannter. Ich fuhr zum Bahnhof und organisierte das Verpacken meines Rades und fand ein Hostal direkt hinter dem Bahnhof. So konnte ich das Rad vom Hostal zum Bahnhof tragen am nächsten morgen und musste nicht lange herum organisieren um ein genügend großes Taxi zu bekommen. Im Bus war mehr Platz.

Nun war ich also Fußgänger, etwas ungewohnt nach der vielen Radlerei, und ich schlich durch die nicht ganz so vollen strassen von Santiago. Um 12 ging ich noch einmal in die Pilgermesse und konnte das Spektakel, das jeder hier gerne sehen möchte, erleben. Und filmen:
Das Schwenken des Weihrauchfass es, des Botafumeiro, das von acht professionellen Männern bewegt wird, findet nicht in jeder Messe statt sondern nur an besonderen kirchlichen Feiertagen und, die katholische Kirche weiss ja wo Bartel den most holt, wenn jemand eine entsprechende Spende in nicht genannter Höhe macht. Das sind dann oft grössere Pilgergruppen, die zusammenlegen oder die einen zahlungskräftigen Sponsor haben. Gerüchte sagen etwas von mehreren 100 Euro. Gerüchte eben. Aber ich kann mir schon vorstellen, dass so eine Weihrauchfüllung für das Teil nicht gerade billig ist. Und die acht Schwenker wollen auch Geld haben (sollen sie auch). Aber das Schauspiel ist schon wirklich sensationell.

Den Rest des Tages verbummelte ich in Santiago, meine Lieblingspinte hatte geschlossen, der Corte Inglés (großes Kaufhaus) konnte mich auch nicht wirklich reizen, und so packte ich schließlich alle meine sieben Sachen lzusammen und ging ins Bett, denn schließlich war ich am nächsten morgen der erste, der aufstand.
Es war zwar ein schöner ruhiger Tag, aber wegen der baldigen Abreise war doch ein wenig Katerstimmung angesagt, das Wetter half mit Wolken, Wind und max. 18°C auch nicht wirklich.

Advertisements

EinEin Tag in Santiago zum (fast) nichts tun…

Heute morgen fuhr ich erst einmal mit Leonie zum Busbahnhof, denn sie wollte ja weiter nach Porto. Sie hatte dort einen günstigen Flug nach Hause. Ist ubrigens ein Tip, wenn Fluge ab Santiago sehr teuer sind, man kann manchmal ab Porto günstiger fliegen. Bus dauert Drei Stunden und kostet ca. 32 € incl. Fahrrad.

Nun hatte ich reichlich Zeit, und der erste offizielle Akt war natürlich, mir meine Compostela, also die Pilgerurkunde abzuholen. Als ich gegen 10 Uhr dort war war es noch nicht so voll.

Ich meine das ernst, denn als ich ging, standen die Pilger bereits aus der hinteren Tür wieder hinaus. Und die ganze Prozedur ist sehr effizient und zügig. Ich ließe mir noch eine Bestätigung über die 2553 km ausstellen, die ich gefahren bin, denn das ist ja schon mal was, was man nicht jedes Jahr macht. Ich jedenfalls nicht, in Ermangelung der Zeit…

So sieht das Ding dann aus:

Der Mensch, der die Urkunde ausstellte, war sichtlich beeindruckt und ließ sich von mir auch die Spenden-Idee erklären. Ich zeigte ihm einen Flyer vom Friedensdorf, den er auch gerne behalten wollte. Macht wohl nicht jeder Pilger, dass er mit seinem Camino auch was für andere tun möchte.

Ich fand ein Hostal in der Nähe der Innenstadt und versuchte, mich an einige Ecken zu erinnern, an denen ich vor so vielen Jahren mal gewesen war. Die alte Chemie-Fakultät fand ich relativ problemlos wieder.

 

Das Wohnheim, in dem ich gewohnt hatte (war nicht gerade romantisch, war schon schwieriger, denn die damals kaum vorhandenen Bäume drum herum waren mächtig gewachsen. Heute ist dort eine Art Blutspende Dienst und ein teil der Universität untergebracht

auf dem Rückweg in die Innenstadt machte ich die Aufnahme, die wohl jeder aus Santiago kennt. Das photo, das ich vor 23 Jahren gemacht hatte ist besser…

Ich ging natürlich auch in die Kathedrale, umarmte den alten Jakob und besuchte eine Pilgermesse. Die Kathedrale hat so viele einzelne Highlights, dass man das gar nicht alles zusammenfassen kann. Der Bling um den Altar, alles in Gold und Silber, die verschiedenen Bauepochen, die sich zu einem etwas zusammengewürfelten Gesamtkustwerk zusammenfügen, oder alpine die barock-Orgel, die schon sehr beeindruckend ist. Ansonsten wird hier vor allem Massen Berieselung geboten, eine Messe jagt die andere. Besinnlichkeit findet man eventuell ein wenig in den kleinen Seitenkapellen, die teilweise sehr schön sind. Aber die katholische Kirche hat es ja immer schon gut verstanden, das Geschäft und den Glauben miteinander zu verbinden… Dazu morgen noch eine Anekdote.


Eines der Highlights die man in Santiago erleben kann, ist das Schwenken des grossen Weihrauchfasses, des Botafumeiro. Das gab es in dieser Messe nicht. Leider.

Santiago! Einen Tag früher als gedacht. Mann ist das voll hier.

Morgens war die Nacht mal wieder früh um, die Fusspilger machten einen Riesenalarm, aber dank Ohrenstöpseln schlief ich bis zu meinem Wecker durch. die Rippe war übrigens wohl nur angebrochen, denn sie schmerzt schon deutlich weniger als noch vor ein paar Tagen. Es warnoch etwas dunkel, und ich weigerte mich im Dunkeln loszufahren. Also erstmal Kaffee trinken. So. Schon besser. Nun geht es los, etwas feucht war noch alles, es hatte über Nacht etwas geregnet. Es besserte sich aber schnell, und wir schafften es, auf kleinen Seitenstrassen dem dichter werdenden Pilgerstrom öfter auszuweichen. Aber nicht immer.

Die letzten Kilometer gleichten einer Völkerwanderung. Immer mehr Pilger strömten aus allen Richtungen zusammen. Wie wenn Schalke spielt. Nach einigen knackigen Anstiegen erreichten wir den Monte do Gozo, den Berg, an dem man das erste mal Santiago sehen kann.

Noch ein paar Pedalumdrehungen und ich war tatsächlich vom Kölner Dom bis zur Kathedrale von Santiago de Compostela mit dem Rad gefahren! Das war echt ein super Gefühl! Und ich war nach 23 Jahren das erste mal wieder in Santiago, nachdem ich ja hier ein halbes Jahr studiert hatte. Die Innenstadt war genauso verwirrend wie früher, aber jetzt war sie auch noch brechend voll mit Menschen! Im Winter ist hier nix los, jetzt platzten die Gassen aus allen Nähten. Trotzdem fand ich nach einigem Suchen meine alte Lieblings-Spelunke, wo man Muscheln, Meeresfruchte und Wein vom Fass geniesen kann. O Gato Negro, ein richtig geiler Laden, und er sah noch genau so aus wie vor 20 Jahren. Sogar die gleichen Kannen und Tassen für den Wein hatten sie noch. Lautbund ungemütlich, aber sensationell gutes Essen, billig und genial…

Danach och der obligatorische Besuch auf dem Praza do Obradoiro vor der Kathedrale, deren Fassade aber fast komplett eingerüstet ist. die Ironie des Schicksals, ich mache meinen Jakobsweg und die Kathedrale ist eingepackt.

Bevor die Frage kommt, ich weiss nicht warum ich o einen bescheuerten Gesichtsausdruck habe…

Jo, jetzt nur noch ein Bett finden, haha. Das gestaltete sich schwieriger als gedacht, denn es war Wochenende und Ferienzeit und alles war voll. Durch einen Tip des Touristen Büros fanden wir aber doch noch etwas, ein wenig außerhalb, aber nicht so wild wie anfangs befürchtet . und es war nicht die schlechteste Herberge, relativ sauber und geräumig.

Statistik: 68 km, 978 hm, Pilger tausende, Kathedralenansichten, na ja, eine halbe vielleicht…

Ankunft mit zwei Tagen Reserve zum Schauen, trödeln, blog schreiben, Rückfahrt organisieren, und so weiter. Das ist doch super! Bitte um kleinen oder größeren Applaus! Ich schreib noch eine oder zwei Zusammenfassungen und über die letzten Tage hier schreibe ich auch noch, also dran bleiben!

Galicien ist wirklich schön. Und grün. Und bergig.

Leonie und ich hatten stillschweigend beschlossen, zusammen weiter zu fahren, sie war glaube ich ganz froh über mein gps-Gerät, mit dem ich Strecken abseits der grossen Landstraßen finden konnte, und ich mochte die Gesellschaft nach dem langen alleine fahren auch gerne. Leonie ist Anthropologin, im gegensatz zu vielen meiner Freunde und Kollegen eine ganz andere Sichtweise der Dinge. Interessant.

Von Mondañedo ging es erst einmal heftig bergan, in einen Morgen mit gemischten Wetteraussichten, aber mit dramatischen Lichtsituationen.

Der erste anstieg war lang und heftig, immerhin 450 m hoch, aber danach konnte und heute nichts mehr schocken. Wir fanden verschiedene wunderschöne kleine strassen, neurotische, kläffende Hunde (jeder Hof hier hat mindestens zwei solche, meistens an viel zu kurzen Ketten), elegentliche Kaffeepausen, aber insgesamt war das Vorankommen zu zweit einfacher und schneller. Leonie fand eine Herberge in einem alten, noch aktiven Kloster, Sobrado dos Monxes, das aber noch eine Weile weg war. Trotzdem wollten wir es versuchen. Es ging immer noch insgesamt bergauf (heute auf über 700 Meter, der höchste Punkt, den wir in Galicien zu überwinden hatten). Aber meist relativ gemächlich.

Und die letzten Kilometer zur Herberge waren dann laaange bergab 😁. Das Kloster was SUPER!!! nach einervlangwierigen Aufnahmeprozedur von einem englischen Monch mit Katze im Arm wurden wir vom Bruder Hospitalero mit Baseballkappe und Turnschuhen eingewiesen. Die coolsten Mönche des Mittelalters.

Die Schlafräume befanden sich in den wieder aufgebauten früheren Ställen des Klosters, etwas eng, voll und muffig, aber das Ambiente war wirklich genial, kann man nicht anders sagen.

Statistik heute ist nicht schlecht: 93,5 km, 1625 hm, kläffende Hunde viel zu viele, supercoole Mönche mit Basecap und Turnschuhen 1

Galicien! Und ein Paket nach hause und Gesellschaft.

Heute morgen fuhr ich erst einmal an der Landstraße entlang weiter, wenig spannend aber es war keine sinnvolle Ausweichstrecke verfügbar. Nach kurzer Zeit km ich an die Grenze zu Gelicien (bitte mit c, das Galizien mit z liegt in Polen). Dahin ging es an der autobahn entlang auf einem sehr schmalen Fußweg ca. 30 m über dem Wasser…

Dann hatte ich galicischen Boden erreicht

In Ribadeo wollte ich die vorderen Packtaschen nach hause schicken, denn mit dem kaputten Lowrider mochte ich nicht weiterfahren. Ich hatte Angst, dass mir etwas in die Speichen kommt und dann ware ein böser Sturz die Folge…

Einen Karton hatte ich bald, auch einen netten Menschen, der mir das Paket mit Packband kostenlos verschnürte. Aber dann bei der Post sagte man mir, es solle 45€ kosten und die Werbung und die alten Barcodes auf dem Karton dürften nicht zu sehen sein. Also Packpapier gekauft, alles nochmal verpackt, dann ging das Internet im Postamt nicht, alles in allem kostete mich das geschlagene zwei Stunden!

Völlig entnervt fuhr ich weiter, ich wollte mir noch ein Highlight ansehen, von dem mir viele Spanische Freunde und auch einige Pilger erzählt hatten: die Playa de las Catedrales, die ganz in der Nähe von Ribadeo fast auf meinem Weg lag. Man kann sich vorstellen, dass ich dort nicht alleine war. Der Name kommt daher, das an dieser Stelle hohe Felsen mit Höhlen direkt aus dem Strand heraus wachsen, was eine ganz tolle Landschaft bildet. Ohne die ganzen Leute hätte ich hier mit Fotoausrüstung Stunden verbringen können!

Aber man sieht schon, die war einiges los. Schnell weiter, die letzte Gelegenheit genutzt, ein Bad im Meer zu nehmen, dann bog ich links ab Richtung Berge. Und das war zunächst entlang der Landstrasse. Und da stand ein Radfahrer und nestelte in seinen Packtaschen. Nein, in ihren Packtaschen: Leonie aus den Niederlanden. Sie Fütterte mich mit Schokolade und schon war sie mein Freund. Sie war schon ziemlich abgekämpft und wollte zu der selben Herberge wie ich, also beschlossen wir, ein Stück zusammen zu fahren. Das bist bein Fahrradfahrern, die sich gar nicht kennen, nicht ganz so einfach, denn das Tempo ist oft ziemlich unterschiedlich. Es passte aber gut zusammen, und wir kamen zusammen in Mondañedo an, ein niedliches kleines Städtchen in den Bergen. Vorher fanden wir noch eine Kirche, die geöffnet war und deren Küster (oder größter Fan) uns einiges darüber erzählte und ein kleines privates Orgelkonzert gab.

Die Fassade stammte vom selben Baumeister wie die von der Kathedrale in Santiago, wie er uns stolz erzählte.

Die Landschaft wurde immer bergiger und bescherte und eine Bergankunft in Mondañedo, das seinerseits eine kleine Kathedrale hat. In der Herberge wurde das Geld von der lokalen Polizei eingesammelt, ein furchtbar offizieller Akt, der mich ziemlich schmunzeln ließ. Wenn die Polizei sonst Geld von mir will habe ich vorher irgendwas falsch gemacht…

Statistik: 62,7 km, 766hm, Bäder im Meer 1, etwas chaotische Holländerinnen auch 1

Weiter an der Küste entlang, schon wieder Trouble mit dem Lowrider

Morgens hatte der alte Hafen von San Esteban eine ganz tolle Stimmung.

Ich fuhr eine Weile ohne meinen Track sondern eine „Abkürzung“ mit dem gpx gerät. Das Resultat war,dass ich auf dem Fußweg des camino landete, der in der Karte als Fahrweg eingezeichnet ist. War aber an einigen stellen nicht fahrbar, ausser mit einem Panzer. Aber ich wollte ja Abenteuer. Leider sah mein lowrider, der ja so schon repariert worden war, das anders und die selbe stelle auf der linken Seite verabschiedete sich und riss ab. Grrr…also wieder mit einem Stück Holz stabilisiert und weiter.

Ich kam nach Cudillero, wo ich von über 20 Jahren schon mal gewesen war. Oberhaupt sollte ich ab jetzt einzelne stellen wieder erkennen, denn ich war diese Küstenstraße schon mal gefahren. Damals war das Dorf eines der ersten, die verstanden haben wie sie ihre Fischereitradition richtig vermarkten ohne sich zu prostituieren. Es ist immer noch schön, aber ich war froh, dass ich vor den meisten Touristen da war.

Danach ging es weiter über kleine Landstraßen, also eigentlich war das früher mal die einzige Verbindung an der Küste entlang gewesen, aber heute wo die Autobahn da war fuhr hier fast keiner mehr. Das war sehr angenehm. Die Autobahn ist schon beeindruckend, denn in dieser Landschaft sieht man immer wieder absolut irre Brücken und Ansichten

Aber eben auch so etwas (an dem Strand war es ganz schön „voll“)

In La Caridad war die ordentliche Herberge voll, und so schlief ich in einer sehr angenehmen sauberen privaten Herberge für unverschämten 13 €.

Statistik: 98,2 km, 1920 hm ( ich hatte noch ein bisschen den Berg rauf und runter fahren sollen, dann hätte ich die 100 km und auch die 2000 hm geknackt, hehe)

Seit Köln habe ich inzwischen ca. 2400 km und ca. 34000 (ja vierunddreissigtausend) hm auf der Uhr.

Keine Lust, im Regen einzufahren. Später aber noch ganz gut

Heute morgen regnete es. Auch die ganze Nacht schon, und trotzdem war um 5:30 h die Nacht vorbei, denn ein paar übermotivierte Fusspilger mussten unbedingt mitten in der Nacht aufstehen und hatten alles einzeln in Plastiktüten verpackt. Grummel. Also bin ich auch raus und stand um 7:30 h im Regen auf der Strasse.

Und hatte ÜBERHAUPT KEINE LUST.

Also bin ich erstmal nach Gijon gefahren, das war nicht weit. Gijon gilt als die heimliche Perle des Nordens, eine schone Großstadt, im Schatten der Provinzhauptstadt Oviedo, aber eben am Meer gelegen. Aber bei dem regen konntebich das leider nicht richtig würdigen. Also verkroch ich mich in eine Cafeteria und schrieb etwas am Blog. Danach hatte sich zwar der Regen immer immer noch nicht gelichtet, aber ich musste weiter. Immer noch lustlos, trödelte ich vor mich. Während einer Pause an einem Bushäuschen horte es dann tatsächlich auf zu regnen und ich fuhr durch ein nettes grünes Tal weiter. Ich kam an diesem Schild vorbei. Da steht drauf, dass der folgende Streckenabschnitt besonders unfallträchtig sei. Ich dachte noch :“ Was? Hier? Hier ist doch nichts!“ – und wenige hundert Meter weiter sah ich schon einen im Graben liegen. Zum Glück war keinem etwas passiert, aber er musste wohl schweres Gerät zur Bergung seines Autos holen… 

Ich fuhr eine Abkürzung, die mich direktamente auf das Betriebsgelände eines Arcelor Walzwerke führte, aber nicht mehr hinaus. Ich fuhr zwischen den beeindruckenden Installationen und zischenden und dampfenden Heißdampfleitungen umher bis schließlich eine streng dreinblickende Dame in einem Wagen der Sicherheitsfirma auftauchte. Flucht nach vorne: „Entschuldigen Sie, ich glaube ich habe mich verfahren“, (was der Wahrheit entsprach), „Wie komme ich hier wieder raus?“- Sie war so freundlich und deutet mir mit weiterhin unveränderter Miene, ich solle hinter ihr her fahren und brachte mich zum Ausgang. Da standen vielleicht riesige Transporte rum! Man machte gerade einen Sondertransport mit Teilen für ein Windrad fertig, mit Polizeieskorte und allem. Gigantisch, diese Teile mal nah zu sehen. Wegen der strengen Sicherheitsfrau habe ich mich nicht getraut, Fotos zu machen…

Ich kam schließlich nach Avilés,das mich sehr beeindruckt hat. Eine wirklich tolle Innenstadt, eine super Eisdiele und eine offene Kirche. Einen Stempel habe ich dort trotzdem nicht bekommen, denn ich wollte nicht gerade während der Kommunion zum Pastor gehen und fragen ob ich denn bitte einen Stempel für mein Credencial bekommen konnte. Also wieder vom Touri-Büro, denn wervweiss wie lange das hier dauert?

Weiterhin etwas unmotiviert fuhr ich schließlich weiter Bund machte nach fast 68 km Schluss in San Estaban de Pravia, das einen hübschen antiken Hafen aufzuweisen hat, aber die Herberge war grenzwertig wenn auch freundlich. Alle der Wirt.

Statistik: 67,7 km, 1123 hm, Lust echt keine, Walzwerke ohne Ausgang 1

Kurzfristige Planänderung aber an sich ein toller Tag

heute morgen war ich  zuerst ganz verwegen und hatte geplant, in die Berge nach Covadonga zu fahren, ein Abstecher abseits vom eigentlichen Camino, ein Pass von 500 m (Höhe) und eine ganze Menge Kilometer, um wieder auf den Camino zu kommen. Covadonga ist ein sehr spanischer Wallfahrtsort, wikipedia schreibt dies:

„In der Felsenhöhle von Covadonga befand sich schon zur Zeit des Westgotenreichs ein Marienheiligtum. 722 fand dort die Schlacht von Covadonga statt, in welcher Pelayo, der Anführer einer christlichen Streitmacht, einen Sieg über muslimische Truppen errang. Dieser Erfolg gilt als Beginn der Reconquista. Die asturische Chronik des Königs Alfons III. enthält einen Bericht, wonach in dieser Schlacht himmlisches Eingreifen das Marienheiligtum schützte und den Sieg herbeiführte. Daher wurde Covadonga ein Marien-Wallfahrtsort. Der „Jungfrau von Covadonga“ wurde eine Basilika errichtet“

Aber als ich schon am einstieg war, tröpfelte es etwas und der Regenradar sah gar nicht gut aus, so dass mich der Mut verließ und ich den normalen Track weiter fuhr. Bei Nebel hätte ich sowieso nicht so viel von der atemberaubenden Bergwelt gehabt.

Um es vorweg zu sagen: es regnete natürlich nicht an diesem Tag. Aber es war dauernd wolkig, und es sah den ganzen Tag nach Regen aus. Schade, aber es wäre wohl eine wirklich harte Etappe geworden. Ich sollte aber schon noch mein Fett weg bekommen…

Zunächst fuhr ich locker von Rosa weg Richtung Westen und bemerkte wenig später das hier: Wenn hier einer ein Fässchen ausgibt muss das ganze Dorf helfen

Ich fuhr weiter und weiter, fuhr durch den hübschen Touristenort Ribadasella früh morgens vor dem Trubel (nicht das vorteilhafteste Foto…)

Verpasste in Villaviciosa die Öffnungszeit der Touristeninformation um sechs Minuten (wollte dort einen Stempel bekommen) und fuhr weiter nichtsahnend Richtung Gijon (gesprochen ChiChon, mit zweimal CH wie Dach).

Und dann kam das, worüber ich mit Bernhard und Ida noch gwitzelt hatte, ein Pass, den nur die hartgesottensten Mountainbiker wirklich fahren (auf der Fussroute). Ich fuhr zwar auf der Strasse, daher war das Geläuf akzeptabel, aber die 463 Höhenmeter musste auch ich überwinden. Aber es war zumindest pittoresk.
Oben angekommen, das: jemand hatte die Aussicht geklaut 😠

Echt wahr, ich war total im Nebel gelandet und man sah nichts mehr! Zum Glück hab ich auf der anderen Seite die Aussicht wiedergefunden.

… Und fuhr schließlich in Deva, kurz vor Gijon, auf den Campingplatz, der Pilgerbettern anbot, extrem eng und voll, aber zumindest trocken, was sich am nächsten morgen als besonders gut herausstellen sollte.

Statistik: 82 km, 1762 hm, verpasste Gelegenheiten 1, Rache dafür auch 1

Regen, Regenfälle, Regenzeit (alles was einem dazu einfällt)  und das beste Hostal bisher

Heute morgen waren alle ziemlich schnell in den Regenklamotten, denn es nieselte. Und es hortebauch nicht auf. So fuhr ich etwas lustlos los, immerhin ging es erstmal bergab, da das einfache aber ordentliche ostal auf einem Berg lag. Bergankunft gestern…

Die Landschaft war absolut super, schade dass man so wenig davon sehen konnte. Wilde, steil aufragende Berge, grün und saftig, so hatte ich mir das vorgestellt. Nur eben der Regen sollte nicht sein. Der Wolken vergangene Himmel gab aber der Berglandschaft eine ganz besondere Schönheit

Die Fahrt war aber nicht allzu anspruchsvoll, es ging immer ein wenig auf und ab, und nach einem sonst nicht sehr ereignisreichen Tag beschloss ich, nach 60 km fertig zu haben und mit dem blog schreiben etwas aufzuholen.

Im Pilgerfuhrer wurde in einem kleinen Ort die Herberge von Rosa gelobt, und sie hatte tatsächlich noch einen Platz frei (es war erstaunlicherweise gar nicht bso voll). Das Etablissement ahnelte mehr einer kleinen Ferienwohnung als einem Pilgerheim! Rosa sagte, ich solle meine Wäsche in einen Korb legen, sie würde das alles waschen und trocknen, das gehöre zum Service bei ihr. Genial! Als sie mir später noch etwas Brot, Eier von den eigenen Hühnern und etwas fürs Frühstück hin stellte war ich total platt. Das war mal ein Service! Und das ganze für 10€! Die Herbergen sind einfach und günstig, aber Rosas Fürsorge und Warmherzigkeit war wirklich eine Klasse für sich. Später kam noch Jean dazu, ein Franzose, der auch noch verarztet wurde. So waren wir nur zu zweit in der für fünf angelegten umgebauten Garage und machten das fetteste omelette der Welt mit den geschenkten Eiern. Netter Abend!

Statistik: 56 km, ca. 900 hm, regen viel (er horte natürlich auf nachdem ich bei Rosa eingezogen war), riesenomelettes 1, aber geteilt

Sonnenaufgang in Santander und dann durch was schöne Kantabrien

Morgens im Morgengrauen standen Miguel und ich auf und machten uns wie versprochen aus dem Staub, wobei wir dem Wachmann nochmal dankten für seine Hilfe. Letztendlich hatten wir auch nichts bezahlt.

Wir fuhren den gleichen Weg am Strand zurück, und die Sonne ging gerade auf. Das war schon ein toller Anblick und eine schöne Stimmung.
Ich lud den König der Diplomaten noch zu einem Frühstück in einer coolen Cafeteria mit alten Fahrrädern an der Decke  ein,  und dann trennten sich unsere Wege, ich fuhr weiter gen Westen und er versuchte, einen Zug nach Madrid zu finden, der auch sein Rad mitnehmen würde.

Kantabrien war, wie erwartet, deutlich weniger bergig als das Baskenland, so dass mein Plan in dieser Hinsicht aufging. An einer (natürlich verschlossenen) Kirche traf ich Ida und Bernhard, die auch mit Rädern unterwegs waren (ich hatte immer von allen Radfahrern am meisten Gepäck). Wir beschlossen, gemeinsam zu mittag zu essen, und kamen ins Gespräch. Sie waren beide Musiker (Klassik), sie Sopranistin und er Trompeter. Supernettes Paar!

Später in der Herberge trafen wir uns wieder und aßen nochmal zusammen. Sie waren die bergigere Fussroute gefahren, während ich die Straßenversion vorzog. Das ist schon lustig wenn man sich so öfter wieder trifft.

Hier ein paar Eindrücke der Fahrt:

Statistik: 75 km, 1255 hm, verschlossene Kirchen viele (in Frankreich waren die alle offen – warum ist hier immer alle zu?)